Auflösung des Objektes

Fettnäpfchen
Zettelbeleg Wossidlos für das Mecklenburgische Wörterbuch

Die Fotografie von 1968 stammt aus dem Archiv des maritimen Volkskundlers Dr. Wolfgang Rudolph. Sie zeigt einen kleinen Gegenstand, den Rudolph auf einer Werft in Ueckermünde fotografierte. Die Abbildung ist Bestandteil des von ihm begründeten martimvolkskundlichen Archivs und dort näher beschrieben. Auch wenn der Gegenstand heute kaum mehr im Gebrauch und daher vergessen ist, begleitet er uns bis heute in einer bekannten sprichwörtlichen Redensart. Es geht um das Fettnäpfchen.

Im „Volksmund“ kursierten viele Redewendungen mit „Fett“ und „fetten“, die zum Teil bis heute verwendet werden. Entsprechend umfangreich sind die Einträge zum Lemma „fett“ im siebenbändigen MecklenburgischenWörterbuch (1942–1992),das auf den Sammlungen des privatgelehrten Volkskundlers Richard Wossidlo ruht und von dem Dialektologen Hermann Teuchert (1880–1972) umgesetzt wurde. Wer sein Fett abbekommen soll, wird bestraft, ggf. sogar verprügelt. Wurden jedoch Schweine geschlachtet, bedeutete es etwas Gutes, wenn man sein Fett abbekam (Wossidlo/Teuchert, Bd. 2, Sp. 876). Ein Mensch, bei dem das Essen nicht anschlägt, „ward nich fett un wenn hei ok in Fett begraben ward“ (ebd., Sp. 873). Mit in Fett sitten umschrieb man Reichtum.

Wie schon das Deutsche Wörterbuch der Brüder Grimm vermerkt, meint „ins Fettnäpfchen treten“, es sich durch eine unbedachte Äußerung mit jemandem zu verderben. Der bekannte Volkskundler, Erzähl- und Sprichwortforscher Lutz Röhrich (1922–2006) führt die Redensart „ins Fettnäpfen treten“ (ders.: Das Große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, Bd. 1, S. 438) darauf zurück, dass unter zum Räuchern und Trocknen aufgehängte Würste und Schinken kleine Schalen gestellt wurden, welche herabtropfendes Fett auffingen. Fett wurde weitaus häufiger als heute benötigt, etwa zum Fetten von Stiefeln, weshalb z.B. im Erzgebirge in der Diele ein Fettnäpfchen stand, das leicht umgestoßen werden konnte und dann hässliche Flecken hinterließ.

Das in Vorpommern auf der kleinen Werft verwendete Fettnäpfchen wird seinen Beitrag dazu geleistet haben, dass ein Arbeitsprozess oder eine Maschine wie geschmiert lief; wie u.a. die Segelmacher mit festem Fett gefüllte Kuhhörner, sogenannte Fetthuurn, verwendeten, um darin ihre kräftigen drei- oder vierkantigen Nadeln aufzubewahren (Wossidlo/Teuchert, Bd. 2, Sp. 878), die beim Nähen dann wie geschmiert durch Tuch und Tauwerk glitten. War man gezwungen, „scharf“ zu arbeiten, hieß es „wie möten Fett achter setten“ (ebd.).

Das Fettnäpfchen erfüllte also samt seines Inhaltes wichtige Funktionen. Und da es leicht umgestoßen werden konnte, was Ärger verursachte, bot sich diese markante Vorstellung dafür an, in unseren Redewendungen munter weiterzuleben.

Röhrich, Lutz: Das große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Bd. 1–3. Freiburg/Basel/Wien 1991.
Wossidlo/Teuchert: Mecklenburgisches Wörterbuch. Bd. 1–7. Neumünster (ab Bd. 2 auch Berlin) 1942–1992.

Alle der hier genannten Belege kann man in der Digitalen Datenbank WossiDiA in vernetzter Form abrufen: www.wossidia.de. Um auch das Foto online einsehen zu können, soll das maritimvolkskundliche Archiv digitalisiert werden.

Verfasser: Bohlmann/Himstedt-Vaid/Schmitt