Kommentiertes Lehrangebot Wintersemester 2026/27

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Übersicht

Die Figur der Hexe in der Kinder- und Jugendliteratur

Petra Himstedt-Vaid

Die Figur der Hexe in der Kinder- und Jugendliteratur

Ak, 2 SWS, wo
Mo., 17.15–18.45 Uhr

In der Figur der Hexe spiegeln sich stereotypenhafte Bilder, die durch Sagen, Märchen und Hexenverfolgung geprägt sind. In den Hexensagen geht es um soziale Ausgrenzung alter Frauen im Dorf und die Angst um das wirtschaftliche Überleben, das von der Hexe vereitelt werden soll. Im Märchen steht die Hexe aus dem Märchen „Hänsel und Gretel“ aus den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm exemplarisch für das Böse im Märchen.
Ausgehend von Hexensagen, der bösen Hexe im Märchen und dem fließenden Übergang zur bösen Fee im Märchen sollen Bücher aus der Kinder- und Jugendliteratur hinsichtlich des Wandels von der bösen zur guten Hexe untersucht werden. Den Wandel zur guten Hexe markiert das Kinderbuch Die kleine Hexe von Otfried Preußler.

Literatur
Bartsch, Karl (1879‒1880): Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, 2 Bde. Wien.
Behringer, Wolfgang (2020): Hexen: Glaube, Verfolgung, Vermarktung. München.
Dillinger, Johannes (2018): Hexen und Magie. 2. aktual. und erw. Auflage. Frankfurt am Main, New York.
Franz, Kurt; Lange, Günter (Hrsg.) (2015): Der Stoff, aus dem Geschichten sind: Intertextualität im Werk Otfried Preußlers. Baltmannsweiler.
Jantzen, Christoph; Ritter, Alexandra; Ritter, Michael (Hrsg.): Faszination Zauberwelt. Neue Perspektiven auf die Fantastik in Kinder- und Jugendmedien. München 2020. 
Kilian, Heinke (2010): Von Hexen, Zauberern und magischen Gestalten. Hexenverfolgung in der Jugendliteratur der Gegenwart – ein Thema mit aktuellen Bezügen. Frankfurt am Main u.a.
Kulik, Nils (2005): Das Gute und das Böse in der phantastischen Kinder- und Jugendliteratur: eine Untersuchung bezogen auf Werke von Joanne K. Rowling, J. R. R. Tolkien, Michael Ende, Astrid Lindgren, Wolfgang und Heike Hohlbein, Otfried Preußler und Frederik Hetmann. Frankfurt am Main u.a. 
Lindauer, Tanja (2012): But I thought all witches were wicked: Hexen und Zauberer in der phantastischen Kinder- und Jugendliteratur in England und Deutschland. Marburg.
Planka, Sabine; Mikota, Jana (Hrsg.) (2013): Das Motiv der Hexe in den Kinder- und Jugendmedien. Berlin.
Seitz, Christina (2014): Die Hexe im Film: die Rezeption eines Stereotyps aus Antike, Mittel­alter und Früher Neuzeit in US-amerikanischen Kino- und Fernsehproduktionen. Kiel.

Sagen- und Märchenüberlieferungen und ihre filmischen Bearbeitungen

Petra Himstedt-Vaid

Sagen- und Märchenüberlieferungen und ihre filmischen Bearbeitungen 

HS, 2 SWS, wo
Mi., 17.15–18.45 Uhr

In diesem Hauptseminar wird der Prozess medienübergreifender Bearbeitung ausgewählter Erzählungen, daraus resultierende Gemeinsamkeiten und Differenzen erzählt. Um Theorieansätze medialer Adaptionen zu veranschaulichen, sind Sagen und besonders Märchen dankbare Vorlagen. In Gestalt „Einfacher Formen“ (André Jolles) ist ihnen Mündlichkeit in besonderer Weise eingeschrieben, während sie ebenso beliebte Sujets für literarische und filmische Bearbeitungen bilden. Was geschieht, wenn ein bestimmtes Märchen die Medien „durchwandert“, bildlich illustriert und literarisiert wird, wenn (wort)sprachliches durch ikonisches Zeichensystem ersetzt oder ergänzt, andererseits schriftlich Fixiertes reoralisiert wird? Wie beeinflussen mediale „Varianten“ der Sage oder des Märchens seine Weitergabe?

Literatur
Conrad, Maren (Hrsg.) (2020): Moderne Märchen: populäre Variationen in jugendkulturellen Literatur- und Medienformaten der Gegenwart. Würzburg.
Dettmar, Ute; Pecher, Claudia Maria; Schlesinger, Ron (Hrsg.) (2017): Märchen im Medienwechsel. Stuttgart.
Franz, Kurt (2011): Faszinierende Märchenwelt. Das Märchen in Illustration, Theater und Film. Baltmannsweiler.
Greenhill, Pauline; Matrix, Sidney E. (eds.) (2010): Fairy tale films: Visions of Ambiguity. Logan, Utah.
Josting, Petra; Maiwald, Klaus (Hrsg.) (2010): Verfilmte Kinderliteratur: Gattungen, Produktion, Distribution, Rezeption und Modelle für den Deutschunterricht. München.
Liptay, Fabienne (2004): Wunderwelten im Film. Remscheid.
Mundt, Michaela (1994): Transformationsanalyse. Methodologische Probleme der Literaturverfilmung. Tübingen.
Münz, Franziska (2012): Die DEFA-Märchenfilme. 2. Aufl. Frankfurt am Main.
Schmitt, Christoph (1993): Adaptionen „klassischer Märchen“ im Kinder- und Familienfernsehen. Frankfurt am Main.
Planka, Sabine; Mikota, Jana (Hrsg.) (2013): Das Motiv der Hexe in den Kinder- und Jugendmedien. Berlin.
Seitz, Christina (2014): Die Hexe im Film: die Rezeption eines Stereotyps aus Antike, Mittelalter und Früher Neuzeit in US-amerikanischen Kino- und Fernsehproduktionen. Kiel.
Schlesinger, Ron (2022): „Führer“, Verräter, entwertete Väter: Der König im deutschen Märchenspielfilm. Eine figurenanalytische Betrachtung des Genres im „Dritten Reich“ und im Nachkriegsdeutschland. Hamburg.
Tomkowiak, Ingrid (2008): „Disneys Märchenfilme“. In: Regina Bendix, Ulrich Marzolph (Hrsg.): Hören, Lesen, Sehen, Spüren: Märchenrezeption im europäischen Vergleich. Baltmannsweiler. 209–233.

Erzählen digital. Graph Mining anhand von norddeutschen Sagen

Petra Himstedt-Vaid / Holger Meyer

Erzählen digital. Graph Mining anhand von norddeutschen Sagen 

HS, 2 SWS, wo
Do., 15.15–16.45 Uhr (R 014, Albert-Einstein-Str. 26)

Über zwei Millionen Zettel aus der „Zettelsammlung“ des volkskundlichen Privatgelehrten und Gymnasialprofessors Richard Wossidlo (1859–1939) und Briefe aus seinem wurden in das digitale Archiv WossiDiA „Wossidlo Digital Archive“ überführt. Diese größtenteils handschriftlichen Zettel und Briefe behandeln Themen wie u.a. die Niederdeutsche Sprache, Volkserzählungen, Bräuche, Erscheinungsformen des Volksglaubens und Bereiche des Alltagslebens. 
Im Zettelkastensystem werden die verschiedenen kulturellen und sprachlichen Überlieferungen nach Gattungen, Themen, Inhalten, Motiven, Orten, Erzählerinnen und Erzählern und anderem mehr sortiert sowie durch Verweise aufeinander bezogen. Das digitale Archivsystem basiert auf einer hierfür eigens entwickelten Hypergraph-Datenbank, das heißt einer mehrdimensionalen Graphdatenbank. Diese kann die hochkomplexe Vernetzungsstruktur der Wossidlo-Sammlung sichtbar machen und ermöglicht innovative Navigationen, Suchszenarien und Ergebnis-Visualisierungen.
Die verknüpften Daten von WossiDiA bilden die Grundlage für das im Seminar durchzuführende Graphmining, mit dem z.B. Erzählcluster, Erzählernetzwerke, Ortsbezüge, Vernetzungen etc. aufgezeigt werden sollen.
Das Seminar richtet sich an Studierende der Germanistik und Informatik.

Literatur
Broadwell, Peter M.; Tangherlini, Timothy R. (2020): „Geist, geest, geast, spøgelse: Challenges for multilingual search in belief legend archives“. Arv: Nordic Yearbook of Folklore 76. 7–28. 
Himstedt-Vaid, Petra; Schmitt, Christoph (2020): „Digitales Wossidlo-Archiv in länderübergreifender Erzähldatenbank“. Stier und Greif 2. 58–59. 
Meder, Theo (2018): „ISEBEL: Intelligent Search Engine for Belief Legends“. Volkskunde 119 (1). 87–89. 
Meder, Theo; Himstedt-Vaid, Petra; Meyer, Holger (2023): „The ISEBEL Project. Collecting International Narrative Heritage in a Multilingual Search Engine“. Fabula. Zeitschrift für Erzählforschung 64 (1/2). 107–127.
Meyer, Holger; Schering, Alf-Christian; Heuer, Andreas (2017): „The Hydra.PowerGraph System – Building Digital Archives with Directed and Typed Hypergraphs“. Datenbank-Spektrum 17 (2). 113–129. 
Meyer, Holger; Schering, Alf-Christian; Schmitt, Christoph (2014): „WossiDiA – The Digital Wossidlo Archive“. In: Christoph Schmitt, Holger Meyer, Stefanie Janssen und Alf-Christian Schering (Hrsg.): Corpora ethnographica online. Strategien der Digitalisierung kultureller Archive und ihrer Präsentation im Internet (= Rostocker Beiträge zur Volkskunde und Kulturgeschichte, 5). Münster, New York, München, Berlin. 61–84. 
Schering, Alf-Christian; Bruder, Ilvio; Jürgensmann, Susanne; Meyer, Holger; Schmitt, Christoph: „From Box to Bin – Semi-automatic Digitization of a Huge Collection of Ethnological Documents“. ICADL (2011). 168–171. 
Schering, Alf-Christian; Bruder, Ilvio; Schmitt, Christoph; Meyer, Holger; Heuer, Andreas: „Towards a Digital Archive for Handwritten Paper Slips with Ethnological Contents“. In: International Conference an Asian Digital Libaries (ICADL'07), Bd. 4822 der Lecture Notes in Computer Science. Springer (2007). 61–64. https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-540-77094-7_12.
Schmitt, Christoph; Tangherlini, Timothy R. (2018): „Folklore Archives Online. Zur Sichtbarmachung, Auswertbarkeit und Interoperabilität einer dänischen und einer nordostdeutschen Sammlung.“ In: Jahrbuch für Europäische Ethnologie 13 (3). 181–204.